Conversation: “Vom Lieben Leben Sterben,” with Manfred Neuwirth (series: Oral History)

Still, Vom Lieben Leben Sterben – Erfahrungen mit AIDS (dir. Walter Hiller, Manfred Neuwirth, 1993).

Table of contents

  1. Introduction / Einführung
  2. First Impressions / Begegnungen
  3. Medienwerkstatt
  4. "Volks stöhnende Knochenschau"
  5. Weiterentwicklung der eigenen Praxis
  6. Das persönliche Archive
  7. "Vom Leben Lieben Sterben"

Last edited on: July 24, 2026

Einführung

This is a transcript of a conversation we (G/R) had with filmmaker and artist Manfred Neuwirth (MN) at Medienwerkstatt in the Spring of 2024. We reached out to Manfred because we were interested in hearing about his meeting with Wolfgang Reder during the filming of “Vom Leben Lieben Sterben – Erfahrungen mit AIDS” (1993) and “Vom Leben Lieben Sterben – 20 Jahre später” (2013), which he co-directed with Walter Hiller. The conversation spans a myriad of topics, ranging from anecdotes about the film’s production to the beginnings of Medienwerkstatt. The conversation departs from our intention to contextualize Wolfgang Reder’s personal holdings but is (like the other conversation we have held during this project) restricted thematically to it.

 

The following transcript is in German (the language in which the conversation was originally held). A translation of this conversation to English will be made available in the coming months.

Erste Begegnungen

G/R

Du hast Wolfgang Reder bei dem Dreh von "Vom Lieben Leben Sterben" kennengelernt. Uns wurde interessieren, wie du dich an ihn erinnerst? Wie war diese Begegnung beim Dreh?

MN

Ich hatte zwei Begegnungen mit ihm. Sie waren beide im Zusammenhang der filmischen Arbeiten. Die erste Begegnung war 1993 und die zweite 2013. Es ist schon eine enorme Kraft von ihm ausgegangen. Er war sich sehr bewusst, was er im Leben eigentlich tun will. Bis zu dem Zeitpunkt hatte er schon viel gemacht. Auf der eine Seite war er immer auf der Suche. Er hat eine Zeit lang in Polen gelebt und dort verschiedene Sachen gemacht. Auf der anderen Seite, wenn du mit ihm gesprochen hast, hast du gemerkt, dass da, vom Lebensprinzip her, Engagement in den verschiedensten Bereichen seines Lebens ist. Er war sehr unabhängig. Wie du selbst im Vorgespräch gesagt hast, hatte er viele Freunde, die er wiederum (und das hat er für sich selbst so gesehen) durch seine Art verloren hat. Aber aus dem konnte er nicht raus, soweit habe ich das verstanden.

“Was mache ich mit meiner ganzen Sammlung?” Das war ein großes Anliegen von ihm bei unserer zweiten Begegnung. Das ist leider nicht filmisch festgehalten. Es erzählte uns wie er tagelang sitzt und alles inventarisiert. Er hat sein eigenes Archiv gemacht und zwar aus der Idee heraus es seiner Tochter zu übergeben. Und die sollte auch wissen, was das ist. Das zeigt auch, dass er schon in der Lebensphase angekommen war, wo es ihm auch bewusst war, dass es zu Ende gehen wird. Er hat über diese “Übergabe” mit einer gewissen Selbstverständlichkeit gesprochen, weil er auch einen gewissen Wert in seiner Sammlung gesehen hat. Nicht, dass er sich so wichtig genommen hat, sondern weil er da was gesammelt hat und es wäre gut, wenn es nicht irgendwo einfach verschwindet.

Beim Film gab es eine erweiterte Einstellung, wo man ein bisschen die Wohnung sehen konnte. Die Wohnung war ein Wahnsinn. Es war wie ein Hamam-Vorzimmer dekoriert. Teilweise waren da sehr viele Pflanzen. Die Hunde kommen ja nicht vor, aber bei unserer zweiten Begegnung waren es drei Hunde mit denen er zusammengelebt hat. Das hat er ja gezeigt. Für ihn war das schön, aber wie er es ein bisschen angedeutet hat, ist er immer einsamer geworden. Ich habe viel Interessantes und Bewegendes in ihm gesehen und ihn dafür auch gemocht. Er hat es wiederum auch gespürt, dass wir uns für ähnliche Themen interessieren und an einem Film arbeiten, dass dieses Engagement zeigte. Deshalb hat er sich wahrscheinlich immer weiter geöffnet. Wir hatten da ein gegenseitiges Verständnis füreinander.

Beim ersten Film hatten wir die Premiere zusammen mit dem Buddy-Verein. Bei diesem Verein hat er sich auch engagiert. Er hat einige Personen bis zum Tod begleitet. Er war aber sicher von den fünf, die wir im Rahmen des Filmprojektes interviewt haben, der intellektuell reflektierteste.

G/R

Ich habe auch den Eindruck bekommen, dass er sehr eloquent war. Mindestens so haben viele andere Personen über ihn gesprochen.

MN

Ja, beide Male hatte ich auch den Eindruck. Aber nicht nur da. Bei den AIDS Life Balls war er immer ein Star. Auch mit welcher Mode er aufgetreten ist! Er sah immer sehr fesch aus.

Medienwerkstatt

G/R

In einem Interview für Okto-TV hast du gesagt, dass das Projekt Vom Lieben Leben Sterben vom Walter Hiller kam. Nicht desto trotz hast du seit dem Anfang deiner Praxis bestimmte politische Bewegungen in Österreich verfolgt bzw. dokumentiert. Kannst du dazu ein bisschen mehr sagen?

MN

Naja, wir sitzen hier in der Medienwerkstatt. Den Verein gibt es seit 1978. Hier [in der Neubaugasse] sind wir 1980 gelandet. In Deutschland, in der Schweiz, und auch schon früher in den beginnenden 70er Jahren in den USA und Kanada entstanden neue sozial-politische Bewegungen, die auch durch die Verwendung des neuen Mediums Video Öffentlichkeit schaffen wollten. Dies brachte neue Möglichkeiten mit sich. Bestimmte Gruppen der Gesellschaft bzw. (politisch) engagierte Gruppen glaubten “damit kann ich politisch was erreichen”. Das war hier auch so. Es war die zweite Hälfte der 70er-Jahre in Österreich. In Wien ist mit der Arena-Bewegung im kulturellen und sozialen Bereich langsam was aufgebrochen. In diesem Kontext ist zum Beispiel der Falter oder auch der Filmladen entstanden. Damals gab es in Wien einige Gruppen bzw. Einzelpersonen, die sich mit “Video” beschäftigt haben. Zu der Zeit konnte man sich ein Sony Portapak (eine tragbare Videoeinheit) gerade noch leisten. Allerdings das Material zu schneiden war (ohne die notwendige Geräte, die viel teurer waren) unmöglich. Das Verein zu gründen war sozusagen eine Strategie, um an die notwendigen finanziellen Mitteln zu kommen. Mit viel Mühe konnten wir uns bei der öffentliche Förderung durchsetzen. Es war gegen Ende des Jahres 1978, glaube ich, und wir haben ein Anruf bekommen, so wie auf der Art: “uns ist Geld übrig geblieben, ihr müsst jetzt die Geräte kaufen”. Damit konnten wir dann endlich eine Schnittanlage kaufen.

"Volks stöhnende Knochenschau"

MN

1980 fand parallel zu den traditionellen Wiener Festwochen die Wiener Festwochen Alternativ statt. Das war eine Reaktion auf die damalige Unruhe gegenüber der etablierten Hochkultur. Wir [die Medienwerkstatt] haben uns mit dem Projekt „Volks stöhnende Knochenschau“ daran beteiligt. Das war eine Anspielung auf die im Kino laufende „Fox Tönende Wochenschau“. Das Konzept war ein „Videobus“, worauf Monitore installiert wurden und womit wir auf öffentliche Plätze gefahren sind. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Wenn du damals irgendwo mit einem Bus voller Monitore hingefahren bist, hat das enorme Interesse geweckt.

Im Rahmen des Projekts haben wir mit verschiedenen Initiativgruppen gearbeitet, darunter die HOSI (Homosexuelle Initiative) Wien, die damals sehr aktiv war. Unter den Beiträgen, die sie produziert haben, waren drei Coming-Out Videos: drei Personen erzählen für 15 bis 20 Minuten über ihren Coming-Outs. Das hat ganz gut funktioniert. Wir sind mit dem Videobus auf dem Reumannplatz gefahren, wo die HOSI auch eine Info-Hütte aufgebaut hatte. Der Bus funktionierte quasi wie ein Lockmittel und brachte Leute dazu, dorthin zu kommen und sich informieren zu lassen. Das Lustige (oder Tragische) war, dass angeblich so viele Beschwerden aus der Bevölkerung kamen und die Hütte musste dann wegen frag-mich-nicht-welchem Paragraf geschlossen werden. Das Klima war damals noch so, dass viele Menschen der Meinung waren, dass solche Organisationen Kinder verführen wollen. Das war auch das Absurde daran. Wir haben versucht etwas an die Öffentlichkeit zu vermitteln, aber gleichzeitig sind Personen in einer Machtposition, wie z.B. ein Bezirksvorsteher, der überhaupt nicht weiß, wir er damit umgehen soll. Wir gingen zu ihm als Reporter-Team und fragten wieso die Hütte jetzt geschlossen wurde. Und dem Bezirksvorsteher war dieses Interview schecklich unangenehm.

Ein späteres Beispiel für eine solche Form der Zusammenarbeit fand gemeinsam mit drei Frauen statt, die als Portierinnen in einem Bordell gearbeitet haben. Da kam für uns das erste Mal das Thema der Rechte für Sex-Arbeiter*innen. Ein Film, das im Rahmen dessen produziert wurde, war „Flugblattband“ (1983), wo die Frauen einen Flugblatt entworfen und Forderungen gestellt haben. Ich glaube, dass leider die Probleme, die sie im Film ansprechen, immer noch präsent sind, wie z.B. die Sozialversicherung.

Wie ihr seht, es war ein Querschnitt durch die verschiedensten Themen. Es gab auch ein Projekt zu der Selbstverwaltung von Kindergruppen oder zur Anti-Atomkraftwerk Bewegung. Ich kann euch später die Liste zeigen, aber im Grunde war die Medienwerkstatt etwas wie ein Sammelbecken von Gegenöffentlichkeit für Initiativen, die sich im Rahmen ihrer Arbeit auch mit der Produktion von Videofilmen beschäftigen wollten. Es gab zwar den Falter, aber dazu nur noch zwei Fernsehprogramme (ORF 1 und ORF 2). Es ist ein Wahnsinn, sich das aus der heutigen Perspektive vorzustellen.

Es war auch natürlich so, dass die Gruppen, die mitgearbeitet haben, irgendwann auch wieder weg waren. Entweder, weil sich einfach mit dem Medium nicht mehr gearbeitet haben bzw. arbeiten wollten oder, weil sie woanders hingegangen sind. Ein Grundstock dieser politisch-sozialen engagierten Arbeit ist aber noch hier im Bestand geblieben. Der Bereich der Videokunst bzw. die Realisierung von Projekten, die mehr künstlerisch waren, hat sich im Laufe der Zeit mehr etabliert bzw. erweitert. Ich kann entlang meiner eigenen Praxis diesen Wandel ein bisschen erzählen. Wir waren sowas wie mediale Sozialarbeiter*innen, würde ich sagen. Ich kann mich erinnern wie es für mich war, als jemand, der am Land aufgewachsen ist. Ich bin zum ersten Termin zu HOSI Wien und bin zum ersten Mal von 30 schwulen Männern umringt. Das war damals nicht so selbstverständlich und gleichzeitig war es auch eine solidarische Erfahrung. Und das war bei allen Projekten so. Du bist mit Menschen aus wirklich verschiedenen Bereichen zusammengekommen, mit denen du Projektideen ausgetauscht hast und ihnen dann geholfen hast beim Filmen, beim Schneiden oder einfach so zusammengekommen bist. Für mich war es schon eine sehr prägende Erfahrung.

Weiterentwicklung der eigenen Praxis

MN

Irgendwann hatte aber der mediale Sozialarbeiter in mir genug, weil du einfach nicht dazukommst, eigene Projekte zu realisieren. Dazu kam, dass wir (Gerda Lampalzer, Gustav Deutsch und ich) zu einem Projekt in Luxembourg über Freunde eingeladen wurden, wo Künstler*innen mit Menschen mit Behinderung (Klient*innen von einer sozialen Einrichtung) gearbeitet haben. Erstmal waren wir nur für ein paar Tage dort und haben ein Kurzfilm gemacht. Ein Jahr später waren wir länger dort und haben dann einen längeren Film gemacht. Das war für uns, auf jeden Fall für mich, endlich der Moment, wo ich gedacht habe: „ich springe wieder in die künstlerische Filmarbeit“. Die Themen können trotzdem noch [sozial-politisch] engagiert sein oder auch nicht. Zum Beispiel bei „Vom Lieben Leben Sterben“ ist der Film in der einfachsten Form gestaltet, aber das war auch eine künstlerische Entscheidung.

Die Idee, die sich hier immer mehr durchgesetzt hat, war das Medium selbst mehr künstlerisch bzw. ästhetisch zu reflektieren, sowie die Arbeit damit. In den 80er Jahren galt oft noch „Kamera nehmen, raus, filmen“. Im Wiener Burggarten hat es eine Bewegung gegeben, wo junge Leute einfach in der Wiese des Burggartens sitzen wollten. Da gab es dann wilde Polizeieinsätze. Die von der Bewegung sind dann zu uns gekommen und haben gesagt: „Wir brauchen eine Kamera“. Wir haben ihnen eine Kamera gegeben und sie haben während der Demonstrationen gefilmt und dann auch ein Video geschnitten. In dem Sinne waren wir bekannter als „engagiertes Zentrum“, wo man auch hingehen und sich Geräte ausleihen kann.

Es ist lustig, dass ihr im Rahmen eures Projekts den Archiv-Aspekt anspricht, weil ich bin hier die „Archivmaus“. Die Dinge sind jetzt, 40 Jahre später, natürlich relevant. Sie sind teilweise im Wien Museum, wir sichern sie im Filmmuseum. Wir merken jetzt, dass diese Dinge Zeitgeschichte geworden sind. Sie sind deswegen so spannend, weil sie nicht ein Bericht über die Menschen, die Gruppen sind, sondern, auch wenn sie ästhetisch manchmal schwierig sind, spürst du das Engagement dieser Leute, die hinter diese Ideen gestanden sind und das Medium Video genutzt haben.

G/R

Das heißt du kümmerst dich gerade darum, dass die Sachen auch erhalten bleiben?

MN

Ich bin wirklich der Letzte, der noch analoge Dinge überspielen kann hier. Ich habe das Archiv gerade fertig katalogisiert. Das sind 550 Produktionen, und die sind jetzt fast, also zu 95 Prozent, digitalisiert.

Dieses Bewusstsein für die Geschichte der Medien, deren Bewahrung und Forschung dazu finde ich gut. Dazu ist es wichtig, dass die entstandenen Produktionen erhalten und zugänglich bleiben. Ich unterrichte an der Kunstuniversität Linz in der Medienklasse. Ich merke auch dort, wie „Künstlerische Forschung“ fast schon selbstverständlich geworden ist. Da war eine sehr engagierte Professorin (leider ist sie schon verstorben), sie hieß Karin Bruns (1957 – 2016) und kümmerte sich um diese Verbindung. Für mich gilt, wenn ich ein Filmprojekt mache, muss ich viel wissenschaftliche Arbeit tun und umgekehrt kann, ein künstlerischer Ansatz, wo ich nicht gleich nach strengen, wissenschaftlichen Regeln, sondern offen an einem Thema herangehe, auch zu etwas führen. Darum sind Forschung und Kunst keine Gegensatzpaare, sondern eher wie Ideen auf Schienen, die parallel laufen und sich befruchten können. Ich finde die Künstlerische Forschung dann am spannendsten, wenn es nicht klar ist, ob ich jetzt „forsche“ oder ob ich jetzt „Kunst“ mache.

G/R

Ich glaub es kommt immer drauf an. Es gibt immer verschiedene Perspektiven. Wir befürworten auch ein vielfältiges Verständnis von Künstlerische Forschung. Es gibt Leute, die sagen, dass Kunst immer eine Produktion von Wissen ist. Das ist sie auch, aber wenn es so ist, stellt sich die Frage: Wird dieses Wissen auch vermittelt? Ich finde die Arbeit, die ihr hier macht sehr spannend.

Das persönliche Archive

MN

Vor ungefähr 20 Jahre ist mein Großvater 100 Jahre alt geworden und er hat mich sehr beschäftigt. Vor allem, weil ich mit ihm auf der ganzen Welt gereist bin. Er hat mich überall mitgenommen. Er konnte damals reisen, was ich mir gar nicht leisten hätte können.

Und dann war die Idee bzw. die Frage: Wenn der Körper schon so nachlässt, was bleibt noch in der Erinnerung? Was ist in diesen letzten Lebensmonaten noch da? Ich habe daraus ein Projekt gemacht, wo ich in meinem Archiv eigene Filme, Fernsehausschnitte und andere Materialien in einer Medien-Installation zusammengefügt habe. Ich mache das jetzt gerade wieder, weil meine Mutter vor kurzem verstorben ist und ich versuche in einem ähnlichen Ansatz nochmal 20 Jahre später mit Material, das in bezug zu meiner Mutter steht.

Ich habe zuhause auch so ein Archiv mit allem, was ich an Bildern, Tönen, Filmen, Videos und so weiter habe. So ein künstlerisches Projekt führt mich wieder dazu, nicht unbedingt Ordnung hineinzubringen, aber zumindest mich mit dem Material gezielt auseinanderzusetzen. Das ist ein Zugang, in der eigenen Sammlung etwas zu finden, was sich dann auch künstlerisch umsetzen lässt.

G/R

Ja, ist spannend zu sehen, wie sich diese 20-Jahre Unterschied auf das Projekt auswirkt.

MN

Ja, tatsächlich schaue ich heute Super-8 Aufnahmen von meinem Vater durch, sowie auch meine eigenen Super-8 Geschichten. Ich habe aber auch Fernsehausschnitte, die mich interessiert haben, aufgenommen. Es wird also eine Mischung mit Film, Text und Bild. Eine drei-Kanal Videoinstallation wird es wieder. Ich wühle im eigenen Archiv; ich habe künstlerische Ansätze ausprobiert. Sowas fließt natürlich in so ein Projekt ein. Ich ziee aber schon auf ein Endprodukt Kunst hin, das in Kunsträumen oder wo auch immer gezeigt wird. Das ist so mein jetziger Lebensansatz.

Bei Filmen bist du oft gezwungen sehr lange Vorproduktionsphasen zu haben. Auch, weil die Finanzierung immer ein großes Problem ist. Der zweite Teil von Vom Lieben Leben Sterben war zum Beispiel eine spontane Entscheidung. Dafür haben wir null Geld gekriegt.

"Vom Leben Lieben Sterben"

G/R

Habt ihr für den ersten Film einen Antrag gestellt?

MN

Für den ersten haben wir einen Antrag gestellt. Das war ein ziemlicher Wälzer sogar. Und damals ist es noch, auf zwei Teile aufgeteilt, in der Sendung Kunst-Stücke im österreichischen Fernsehen gelaufen. Solche Filme findest du in den öffentlich-rechtlichen Sendern in Österreich überhaupt nicht mehr.

G/R

Und der zweite Film war dann ganz spontan?

MN

Der war spontan und, das muss man ganz ehrlich sagen, nicht mehr gut gelaufen. Wir haben ihn im Kino gehabt, aber da ist kein Publikum dafür da gewesen. Das Thema war 1993 eindeutig präsenter, aber natürlich auch in diese komische Mischung. HIV/AIDS war ja noch ein bisschen eine Skandalkrankheit. Dadurch, also mit Sex und allem verbunden. Das hat mehr Aufmerksamkeit bekommen als “20 Jahre später”. Da ging es ja auch dann wirklich viel mehr nur um wie sie [die einzelne Protagonisten] selbst diese 20 Jahre erlebt haben.

G/R

Aber wo habt ihr die Premiere von dem ersten Film gehabt?

MN

Es war im Votiv Kino. Dort ist er auch gut gelaufen. Damals war es noch so, dass ich da bin am nächsten Tag mit dem Zug gefahren und ich wurde von einer Frau angesprochen, die den Film am vortag gesehen hatte und darüber sprechen wollte. Der Film war Thema. Es gab einen Redakteur beim Radio, der ein Beitrag dazu im Mittagsjournal gemacht hat. Das waren fünf Minuten mit so einem Thema, also das waren wirklich ganz andere Zeiten.

G/R

Hat es wieder ein Moment gegeben, wo Leute den Film wiederentdeckt haben? Oder wo Leute wieder auf dich wegen den Filmen zugekommen sind?

MN

Es passiert jetzt wieder, dass das Queer Film Festival es wieder zeigt. Es ist zumindest bekannt, dass diese Filme verfügbar sind. Und es gibt, glaube ich, nicht sehr viel zu HIV/AIDS in Österreich.

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Dr. Rafał Morusiewicz, PhD
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